Architektur, Kunst und Webdesign: Der Goldene Schnitt ist überall
Im Grunde handelt es sich beim Goldenen Schnitt um ein mathematisches Verhältnis einer Strecke, die in zwei Teile geteilt worden ist. Je nachdem, wie ihre Proportionen zueinander sind, empfinden wir sie als angenehm und harmonisch oder erkennen eine Disharmonie. Egal, ob in der Fotografie, im Webdesign oder in der Konstruktion: Das Seitenverhältnis muss passen und wird durch den Goldenen Schnitt (im Folgenden als GS abgekürzt) ausgedrückt.
Der Goldene Schnitt: So wird er berechnet
Der GS bezeichnet das Verhältnis, das zwischen zwei Teilstrecken besteht. Davon ist eine die längere Strecke, die zweite ist kürzer. Die längere Strecke wird mit den Buchstaben AB bezeichnet, die kürzere als Strecke BC. Ein GS liegt vor, wenn diese beiden Strecken die gleichen Proportionen haben bzw. im gleichen Verhältnis stehen wie die Gesamtstrecke AC zur Strecke AB. Das heißt: AB : BC = AC : AB.
Eine derartige Proportion wird von den meisten Menschen als sehr harmonisch empfunden, daher bedienen sich auch die Fachleute der Typografie dieses Verhältnisses. Stichwort Visual Content: Hier kommt der GS zum Einsatz, was im Übrigen nach dem Vorbild der Natur geschieht. Denn interessanterweise sind auch hier diese Proportionen zu finden, die wir als so angenehm empfinden. In einer Sonnenblume sind die Kerne nach dem GS angeordnet, außerdem reihen manche Pflanzen ihre Blätter auf diese geometrische Art auf.
Im Zusammenhang mit dem GS wird auch die Fibonacci-Folge eingebracht. Dabei handelt es sich um natürliche Zahlen, die in unendlicher Folge stehen. 0 und 1 sind dabei die ersten Zahlen. Die nächsten Zahlen entsprechen immer der Summe aus den beiden vorhergehenden Zahlen. So ergibt sich die Folge 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13 usw. Bildet man nun den Quotienten aus zwei Zahlen, die aufeinanderfolgen, so ergibt Fibonacci den Goldenen Schnitt. In der Mathematik ist das Ergebnis auch als Zahl Phi bekannt.


Wo wird der Goldene Schnitt angewendet?
Schon aus dem Schulunterricht kennen die meisten von uns den GS, der dort lang und breit behandelt worden ist. Zu Recht, denn immerhin hat er seinen festen Platz in der Architektur und in der Kunst. Dort war es einst Leonardo da Vinci, der im Jahr 1490 eine Illustration fertigte, die den GS-Vorgaben entsprach. Sie nannte sich „Der vitruvianische Mensch“ oder auch „Darstellung des Menschen im Goldenen Schnitt“. Hier entspricht das Verhältnis des Kreisradius und der Seite des Quadrats dem Verhältnis des GS. Da Vinci arbeitete dafür mit Luca Pacioli zusammen, der seines Zeichens nach Mathematiker war und 19 Jahre später eine Abhandlung über den GS verfasste. Doch das Wissen um den GS geht noch viel weiter zurück, wurde es doch schon in der Antike bekannt und genutzt. Im zweiten „Buch der Elemente“, das von Euklid ca. um 300 v. Chr. verfasst worden ist, wurde vom GS gesprochen. Natürlich nicht wortwörtlich, hier wurde der Begriff noch umschrieben. Dennoch ist eindeutig erkennbar, dass es um den GS geht! Auch die Cheops-Pyramide folgt dem GS, dabei wurde sie bereits 2590 bis 2470 vor Christus erbaut! Ob die Menschen damals nur aus einem Gefühl für ein harmonisches Design heraus gehandelt haben oder ob es bereits erste Überlegungen für den GS gab, kann allerdings nicht abschließend beurteilt werden. Ein weiteres Beispiel ist hier der Parthenon-Tempel, der sich in Athen befindet und rund 450 vor Christus errichtet worden ist. Hier sind Überbau und Unterbau im GS erbaut worden.
Der GS ist heute auch als die „Göttlichen Proportionen“ bekannt und ist auf vielen Gemälden, bei Statuen und sogar Gebäuden zu sehen. Selbst in Deutschland finden wir ein Gebäude, das dem GS entspricht: den Kölner Dom!
Damals war natürlich noch nichts über die Fotografie, über Gestaltungsraster und ähnliche Dinge bekannt, die heute unter anderem in der Fotografie eine Rolle spielen. Hier wird der GS als Hilfsmittel verwendet, um das Bild harmonisch aufzubauen. Schnittpunkte und bestimmte Linien werden für ein Motiv verwendet, bzw. dieses wird darauf ausgerichtet. So finden sich zwei waagerechte Linien und eine Senkrechte, an denen zwei Motive ausgerichtet werden können. Das Foto wird dabei direkt beim Fotografieren oder später bei der Bildbearbeitung in neun Teile aufgeteilt, was als „Phi Grid“ bezeichnet wird. Das Gestaltungsraster eignet sich hervorragend für die Erzeugung eines harmonischen visuellen Eindrucks und für die Teilung von asymmetrischen Bildern in einzelne Sektionen. Ist es nötig, die am Rand liegenden Teile in den Fokus zu rücken, hilft das Gestaltungsraster ebenso weiter und ermöglicht die gewünschte Positionierung des Motivs.
Das Phi-Grid ist jedoch kompliziert anzuwenden, daher wurde als Alternative das Drittelraster erfunden. Dieses ist bereits in den meisten Bildbearbeitungssoftwares und sogar in den Kameras integriert. Das Drittelraster ist einfacher anzuwenden, das Phi-Grid dafür deutlich präziser.
Göttliche Proportionen bei der Gestaltung von Internetseiten?
Der GS wird nicht nur in der Kunst und in der Fotografie verwendet, sondern auch bei der Gestaltung von Internetseiten. Vor allem bei der Gestaltung von Prospekten oder Motiven für bestimmte Anzeigen wird auf den GS und seine Wirkung gesetzt, damit die Proportionen stimmiger sind und der Blick auf einen bestimmten Bereich gelenkt wird. Denn genau das macht sich der Designer mit der Anwendung des GS zunutze: Er lenkt die Blicke der Nutzer auf bestimmte Punkte, die sich auf der Nutzeroberfläche befinden. Inhalte werden bewusst so platziert, dass sie auch wirklich wahrgenommen werden. Außerdem kann durch den GS die Nutzung von Hierarchien effektiver gesteuert werden. In Kombination mit Layout, Farbe, Schrift und weiteren Aspekten wird das Design der Webseite aktiv gestaltet und der User gelenkt.
Häufig basieren die Systeme auf Grids, bei denen alle verwendeten Teile gleich groß sind, auch hier wird vorrangig auf die Teilung in drei Teile gesetzt. Etwas genauer wäre allerdings das Verhältnis von 5:3, in das sich Hauptbereich der Seite und Sidebar integrieren könnten.
Neben dem Layout der Seite kann auch der Text selbst derart gestaltet werden. Größe der Schrift, Abstände zwischen den Zeilen sowie die Breite einzelner Blöcke lässt sich derart anpassen, wobei das Verhältnis immer der Zahl Phi entsprechen sollte. Interessant ist allerdings, dass der GS oft auch unbewusst verwendet wird, einfach aus dem Grund, weil das Auge des Menschen einen harmonischen Eindruck vorzieht. Seiten, die derart gestaltet sind, werden als angenehmer empfunden. Das Auge bekommt eine Art Ruhepol geboten, einen Anker, an dem es sich festhalten kann. Die Wirkung kann ganz leicht überprüft werden, indem die Seite einmal nach dem GS und einmal ohne diese Proportionen designt wird.
Unternehmen sollten auch bei der Gestaltung von Werbemitteln mit Bildern oder Aufschriften an den GS denken. Denn bei diesen Artikeln braucht das Auge ebenfalls einen Ruhepol und der Betrachter sollte sich beim Anblick des betreffenden Gegenstandes wohlfühlen. Wir von printnow.de beraten Sie gern im Hinblick auf den GS und die mögliche Gestaltung Ihrer Werbemittel. Fragen Sie uns einfach!

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